Dr. Elisabeth Mardorf
Buchtipps
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© 2011 Dr. Elisabeth Mardorf
Lesen erweitert den Horizont 

Bücher, die ich mag

 

Ich lese gern und viel, und hier stelle ich Bücher vor, die mir gefallen. Das sind nicht nur ernsthafte Bücher, nicht nur Sachbücher, das sind auch Schmöker, Krimis und "typische Frauenbücher"!

Literatur- Kritik und böse Verrisse werden Sie hier nicht finden. Bücher, die mir nicht gefallen haben, gefallen ja möglicherweise anderen Leserinnen und Lesern - warum sollte ich sie also schlecht machen? Als Autorin weiß ich, wie viel Arbeit und Herzblut in jedem Buch stecken. Deshalb hier also nur Empfehlungen.

 

 

C. de Saint- Exupery: Die Rose des kleinen Prinzen

Consuelo de Saint-Exupéry, Die Rose des kleinen Prinzen,

Ullstein Tb; Oktober 2004, 8,95 Euro

Consuelo de Saint- Exupéry war die Ehefrau von Antoine de Saint-Exupéry, der den meisten Lesern als Autor von "Der kleine Prinz" bekannt ist. Und der oft schwärmerisch verehrt wird. Nach dem Lesen dieses Buches bekommt das Schwärmen allerdings einen Knacks. Seine langjährige Ehefrau, die dieses Buch nach seinem Tod veröffentlichte, schreibt in manchmal quälender Ausführlichkeit, wie lieblos und distanziert der Schöpfer eines so liebevollen Textes sie im realen Leben oft behandelte. Es ist aber keine jammernde Lebensbeschreibung, es ist ein überaus interessantes und auch spannendes Buch. Unbedingt lesenswert. 

 

Michael Endes Zettelkasten

Dieses Buch ist eines meiner Lieblingsbücher, in dem ich immer wieder lese. Jetzt ist es auch als Taschenbuch erschienen:

Michael Ende, Zettelkasten. Skizzen und Notizen. Piper Verlag, Dezember 2010, 10,95 Euro

Dieses Buch ist eines meiner Lieblingsbücher. Hier sind viele Notizen von Michael Ende gesammelt, Ideen für Geschichten und fertige Geschichten, Gedichte, Aphorismen, - man kann immer wieder hineinschauen und entdeckt immer wieder neues. Eine meiner liebsten Geschichten ist die vom Tausendfüßler, der sich mit seinen Beinen verheddert, als er zu viel darüber nachdenkt, wie er es denn eigentlich anstellt, solche komplizierten Bewegungen zu machen. Manchmal ist die Intuition eben dem Intellekt überlegen!

Michael Ende wird immer als „Kinderbuchautor“ bezeichnet und damit in eine völlig falsche Ecke geschoben. Wie anspruchsvoll seine Gedanken sind, zeigt dieses Buch in höchst amüsanter Form. Es ist auch ein wunderbares Geschenk für einen lieben Menschen.

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Gebrauchsanweisung für Sylt

Wer als Sylt- Fan glaubt, schon alles über Sylt zu wissen, täuscht sich. Dieses Buch von der Inselbewohnerin und Inselkennerin Silke von Bremen geht weit über die typischen touristischen Darstellungen hinaus. Man erfährt viel über die Geschichte Sylts, über Gäste, Einheimische und Bausünden, und das alles in einem unterhaltsamen Stil, in dem man spürt, wie sehr Silke von Bremen ihr wirkliches Sylt jenseits von Schicki-Micki liebt. Wenn Sie außerdem wissen wollen, was es mit den Sylter "Oekelnamen" auf sich hat oder was Künstler über Sylt sagten - lesen! Nicht nur im Sommer, sondern zu jeder Jahreszeit!

 

 

Hilde Domin, Sämtliche Gedichte

 

 

 

 

Am 27. Juli 2009 wäre Hilde Domin 100 Jahre alt geworden (siehe weitere Informationen in meinem Blog von diesem Tag). In diesem Buch lernen Sie die begnadete Dichterin kennen, die ihren Künstlernamen aus dem Land ihres Exils herleitete.  

Inge Jens, Unvollständige Erinnerungen

 

 

Ein beeindruckendes Buch einer beeindruckenden Frau. Inge Jens berichtet von ihrem erfüllten Leben, von dem sie die meisten Jahre mit dem bekannten Rhetorikprofessor Walter Jens lebte. Sie teilt ihren Lesern Persönliches mit, ohne Nabelschau zu betreiben, in einem wunderbar zu lesenden Stil. Besonders beeindruckend sind die Seiten über die Demenz ihres Mannes. Nüchtern, ehrlich, mitfühlend, ohne Selbstmitleid. 

Unbedingt lesenwert!   

Das Tagebuch der Anne Frank

 

 

Es ist uns allen ein Begriff, aber wann haben Sie es wirklich bewußt gelesen? Es lohnt sich! Am 12. Juni 2009 wäre Anne Frank 80 Jahre alt geworden. Konjunktiv. Sie durfte ihr Leben nicht leben. Siehe mein Blog vom gleichen Tag ...

Anne Frank: Die letzten sieben Monate

 

 

Am 1. August 1944 endet Anne Franks Tagebuch. Am 4. August 1944 wurde sie mit ihrer Familie und ihren Mitbewohnern verhaftet. Was danach bis zu ihrem Tod geschah, wie die Zustände in den Lagern waren, berichten Zeitzeuginnen. Man denkt beim Lesen "Nie wieder", aber es gibt immer noch Lager, in denen Menschen leiden ...

Vince Ebert, Denken sie selbst!

Vince Ebert, der Physiker, der unter "Wissenschaft und Kabarett" auftritt, hat ein köstliches Buch geschrieben, gelegentlich wunderbar bissig, herrliche Urlaubs-Lektüre,  griffig und handlich für die U-Bahn, den Zug, den Bus. (Allerdings werden Ihre Sitznachbarn erstaunt aus dem Tiefschalf hochschrecken, wenn sie Sie laut lachen hören ...)

Kapitel- Überschriften lauten z.B. so : "Quantenmechanik ist keine Fußmassage"  oder "Verursachen Zahnspangen Pubertät?". Sehr klug, sehr respektlos, lesen!

Gut gegen Nordwind

Daniel Glattauer, Gut gegen Nordwind. Roman

224 Seiten, Goldmann Verlag

Preis 7,95 Euro

Ein moderner Brief- Roman, nämlich ein Email- Roman ist dieses Buch von Daniel Glattauer. Zunächst war ich skeptisch, ob das denn wohl interessant ist, und dann war ich ganz überrascht, wie sehr mich die Dialoge zwischen zwei fremden Menschen in den Bann zogen. Aus einem Versehen entstanden der Email- Kontakt, über die Monate hinweg immer intensiver, bis es beide zum Kennenlernen drängt … und dann doch die Angst siegt. Also kein Happy End. Vorerst jedenfalls. Denn mittlerweile hat Glattauer eine Fortsetzung geschrieben, die kenne ich aber noch nicht. Schöner Schmöker.

 

Die souveräne Leserin

Alan Bennett, Die souveräne Leserin

Wagenbach 2008

Preis 14,90 Euro

Welch ein entzückendes kleines Buch! Ja, das altmodische Wort „entzückend“ passt wirklich gut zu diesem liebevoll geschriebenen Text, in dem Her Majesty, von Elke Heidenreich vormals auch „Lisbett“ genannt, die Hauptrolle spielt. Sie entdeckt nämlich, dass an ihrem Palast  regelmäßig ein Büchereibus hält. Und beginnt, regelmäßig Bücher zu lesen. Und kann nicht von ihnen lassen, so dass ihr die königlichen Pflichten zunehmend lästig werden, denn sie rauben ihr Zeit von ihrer Nun-Lieblings -Beschäftigung: Lesen. Mit allerlei Intrigen versuchen nun die Hofschranzen, ihr das ebendieses  zu verleiden. Mit dem Ergebnis, dass die Queen nun zu schreiben anfängt … und überhaupt ziemlich aufmüpfig wird. In einer wunderbaren Sprache geschrieben. Allerhöchst vergnüglich

Haus der Schildkröten

Annette Pehnt, Haus der Schildkröten. Roman, Piper Verlag , München 2006

Ein Thema, das immer mehr  Menschen betrifft: Erwachsene Kinder, die ihre alten pflegebedürftigen Eltern nicht selbst versorgen können oder wollen ebenso wie alte Menschen, die selbstbestimmt entscheiden wollen, wie sie ganz alt werden. Hier finden sich zwei in ihrem eigenen Leben nicht ganz glückliche erwachsene Kinder  bei den Besuchen ihrer Eltern im Altersheim, versuchen, möglichst viel vor den Eltern geheim zu halten und übersehen dabei, dass diese nicht immer alt waren, sondern durchaus ein Gespür für Gefühle, Sehnsüchte, Leidenschaften haben.

Annette Pehnt zeigt leise und fast ironisch, dass wir immer Kinder unserer Eltern bleiben, auch wenn wir sie im hohen Alter als Kinder behandeln. Entkommen können ihnen auch die beiden jüngeren Hauptfiguren nicht, da hilft auch kein Urlaub auf einer einsamen Insel.

Hector Zeit

 

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Francois Lelord, Hector und die Entdeckung der Zeit

224 Seiten, Piper 2009

Preis  8,50 Euro

 

Geschrieben wie ein Märchen, eine Geschichte, die nicht wirklich einen roten Faden hat - und doch ein schön zu lesendes Buch mit vielen Gedanken über das Thema Zeit. Gelegentlich hat man das Gefühl, der Autor erzählt über selbst erlebte Dinge, dann aber kommt einem alles zu märchenhaft vor … ja, manchmal wüsste man schon gern, ist es autobiografisch oder nicht. Auf jeden Fall kommt man beim Lesen ins Nachdenken darüber, wie man selbst mit der Zeit umgeht …

 

Th. Moho, Weil die Nacht keine Augen hat

 

Theresia Moho, Weil die Nacht keine Augen hat.  Als Deutsche in Kroatien (1945 - 1955)  Drava Verlag 2006

Seit über 300 Jahren lebten im Bereich des früheren Jugoslawien die so genannten Volksdeutschen oder Donauschwaben in guter Nachbarschaft mit den einheimischen Völkern. Im zweiten Weltkrieg verschlechterte sich ihre Lage, viele flohen, doch viele blieben. 1943 schon erließ der "antifaschistische Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens" ein Dekret, das die Enteignung, den Verlust der Staatsbürgerschaft und sämtlicher bürgerlicher Rechte festlegte. 1944 wurden alle Jugoslawiendeutsche zu Volksfeinden erklärt, verfolgt, getötet oder in Lager eingewiesen. Arbeitsfähige kamen in Arbeitslager, Arbeitsunfähige in Vernichtungslager.

Theresia Moho, Jahrgang 1928, beschreibt in ihrem erschütternden zweiten Buch, wie sie und ihre Familie nach der Enteignung ihres Hofes und der Erschießung der Mutter weiterlebten. Sie war 17, ihr jüngerer Bruder behindert, Vater und älterer Bruder versuchten, irgendwie die Familie durchzubringen. Jede Nacht suchten sie sich neue Schlafquartiere in Ställen und Scheunen, erlebten immer wieder Durchsuchungen und Todesangst. Theresia kam schließlich mit dem Onkel in ein Lager, konnte fliehen, lebte monatelang in einem Bunker im Haus von Verwandten, immer wieder Flucht, erneute Verhaftung, Einzelhaft, Dunkelhaft, Tage ohne Wasser und Essen, Verhöre, in denen die Namen derer, die sie versteckt hatten, aus ihr heraus gepresst werden sollten.

Und in all diesen Jahren hielt ihre Liebe aus Kindertagen. Mit 21 Jahren wurde sie nach Jahren im Lager und Gefängnis endlich entlassen und konnte ihre Jugendliebe heiraten.

Tagelang bin ich um dieses Buch herumgeschlichen. Ich wollte es unbedingt lesen, weil ich schon Theresia Mohos erstes Buch "Marjanci" sehr gemocht hatte. Darin beschreibt sie den Alltag auf dem Lande in Kroatien, das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen und die politischen Veränderungen, die auch das Leben ihrer Familie verändern.

 Das neue Buch aber kündigte an, dass dort über sehr viel Leid zu lesen sein würde ... wollte ich mir das wirklich antun? Doch, ich versuchte es. Und las dieses wunderbare Buch dann in einem Rutsch. Ja, es ist ein schweres Buch, weil es über das unermessliche Leid berichtet, das Menschen anderen Menschen antun.  Aber es ist auch ein sehr, sehr schönes Buch, geschrieben in einer wunderbaren Sprache, und - ich scheue mich fast, es zu sagen- : Es ist spannend wie ein Krimi. Man möchte unbedingt wissen wie es der jungen Resi, die nicht einmal mehr ihren eigenen Namen tragen darf, weiter geht.   

Ich habe aber auch beim Lesen geweint. Über das, was die Autorin durchmachen musste, über das, was Millionen Menschen damals erlebten - und darüber, dass in den Tagen, als ich dieses Buch las, im nahen Osten wieder Bomben auf Zivilisten geworfen werden und wieder so viele Menschen verfolgt werden und auf der Flucht sind . Egal, in welchem Land und zu welcher Zeit - es sind einzelne Schicksale, und darüber lässt sich aus dem Buch von Theresia Moho sehr viel lernen. Der Leser versteht, was Opfer durchmachen, welche Angst sie erleben, aber auch, wie sie Kraft bewahren. Theresia Moho zeigt, wie sie ihre Würde auch durch ihren tiefen Glauben bewahren konnte.

Immer wieder war ich beim Lesen erstaunt, wie es der Autorin gelingt, ohne Wehleidigkeit ihre Geschichte zu erzählen und sogar immer wieder unerschütterlichen Humor durchklingen zu lassen. Immer wieder war ich erstaunt über ihr detailgenaues Gedächtnis. 

Dieses Buch ist ein sehr wichtiges Buch.

1956 konnte die Autorin mit ihrer Familie nach Deutschland ausreisen und fing wieder einmal von vorne an, gerade 28 Jahre alt, mit dem 3 Kind schwanger. Eine bewundernswerte Frau! Jetzt ist sie 78 Jahre alt, und erst im Alter hatte sie die Zeit und die Kraft, ein Buch über ihre Erlebnisse zu schreiben.  

Ich konnte Frau Moho interviewen und war sehr beeindruckt, mit wie viel Energie sie ihr Leben weiterführte und immer noch führt.

 

Klirrender Frost

 

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Pentti Kirstilä, Klirrender Frost. Ein Fall für Lauri Hanhivaara

Ein Krimi aus Finnland

252 Seiten

Grafit 2009

Preis: 8,50 Euro

 

Ich hatte noch nie etwas von Pentti Kirstilä, las das Buch auf Empfehlung hin. Anfangs war ich gelegentlich verwirrt, kam mit den vielen komplizierten Namen nicht klar. Aber ich war fasziniert. Die Handlung entwickelt sich langsam … für „Tatort"- geübte Leser sehr ungewohnt! Da beschließt einer, verrückt zu werden … und dann im Zustand „verminderter Zurechnungsfähigkeit“ seine Frau zu ermorden. Ein bisschen Gefängnissstrafe absitzen, aber dann ist er sie entgültig los. Wie es dann weitergeht, ist sehr, sehr gut leise beschrieben, und man ahnt nicht gleich, wie die Fäden denn nun laufen. Ein schön altmodischer Krimi, in dem es noch keine Handies gibt, und in dem geübte Krimigucker sich wundern, dass dem Kommissar dies oder jenes so gar nicht auffällt. Tja, das Buch erschien ursprünglich 1981, aber erst jetzt auf deutsch. Ein schöner kleiner Schmöker für Garten oder Strandkorb. Selbst als Bettlektüre nicht schlafstörend. So mag ich das.

 

 

Wibke Bruns, Meines Vaters Land

Wibke Bruhns, Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie. Ullstein TaBu 2005

Die Geschichte der Täter und des Mutes, sich zu distanzieren anhand einer Familiengeschichte .Wiebke Bruhns gelingt es, aus unglaublich vielen erhalten gebliebenen Familiendokumenten, Briefen und Fotos die Geschichte ihrer Familie und insbesondere ihres Vaters, der unter Hitler Abwehr- Offizier war, zu erzählen. Ihr Vater wurde 1944 wegen Hochverrats hingerichtet, als sie selbst 6 Jahre alt war. Ich wünschte mir, solche Bücher hätte es gegeben, als wir uns in der Schule im Geschichts- Unterricht langweilten. Wibke Bruhns arbeitete viele Jahre als Journalistin, und ihr gelingt es auch in dieser sehr persönlichen Geschichte, spannend zu schreiben.  

 

 

Für jede Lösung ein Problem

 

 

 

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Kerstin Gier, für jede Lösung ein Problem

340 Seiten, Lübbe 2006

Preis: 7,95 Euro

 

Gerri will Schlaftabletten und Wodka nehmen und sich vom Leben verabschieden. Vorher schreibt sie an alle Menschen, die sie kennt, Abschiedsbriefe, in denen sie ehrlich sagt, was sie von ihnen hält. Nur- sie überlebt. Und da ist es peinlich, wenn alle diese Briefe gelesen haben … Kerstin Gier schafft es, dieses auf den ersten Blick schwierige Thema als Komödie aufzuziehen. Macht wirklich Spaß, es zu lesen.

 

 

 

Kirsten Boie, Monis Jahr

 

Kirsten Boie, Monis Jahr.  dtv 2005

Dieses Buch von Kirsten Boie möchte ich allen empfehlen. Diejenigen, die ihre Kindheit in den fünfziger Jahren erlebten, werden vieles wieder erkennen, die Jüngeren können sehr viel über den Alltag ihrer Eltern und Großeltern erfahren und über ein Leben, in dem nicht alles selbstverständlich war. Liebevoll und ironisch wird der prüde Alltag der fünfziger Jahre geschildert.  Aber vor allem schreibt Kirsten Boie sehr einfühlsam über das  Erwachsenwerden, über die Themen, mit denen junge Menschen in jeder Generation konfrontiert sind. 

Monis Vater ist vermißt, sie lebt mit ihrer  Mutter bei der Oma, der Mutter des Vaters. Diese beäugt mißtrauisch jeden Versuch der Mutter, selbstständig  zu leben. Sie ist fest überzeugt, dass ihr Sohn noch lebt. Und als die Mutter sich schließlich wieder verliebt und nach diesen vielen Jahren ihren Mann als tot erklären lassen will, gibt es heftige Konflikte, in denen Moni hin und her gerissen ist. Sie mag den Freund ihrer Mutter, der auch sie akzeptiert, während ihr Vater ein Foto bleibt, mit dem sie keine Erinnerungen verbindet. Erst 1965 erfährt die Familie, dass der Vater 1944 gefallen ist. 

Trotz des ernsten Themas ist dieses Buch ein großes Lesevergnügen!

 

 

Oliver Bottini, Im Auftrag der Väter

Oliver Bottini, Im Auftrag der Väter

Welch ein Buch! Unheimlich beginnt es, dann scheint es Erklärungen zu geben. Die stellen sich als Irrtum heraus, und allmählich entfaltet sich ein Geflecht von persönlichen und historischen Ereignissen, über Jahrzehnte und über Ländergrenzen hinweg, das einen atemlos zurückläßt. 

Eine Familie in Süddeutschland wird beobachtet, dann bedroht, ihr wird ein Ultimatum gestellt, und der Täter zeigt, wie ernst er es meint. Die Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì und ihr Team stehen unter Zeitdruck. Allmählich kristallisiert sich heraus, dass der Täter vom Balkan stammen muß. Wo liegen die Verbindungen, weshalb übt er Rache?  

Nicht einfach ein Kriminalfall, sondern auch ein hervorragend recherchierter Roman, in den die europäische Geschichte, Balkankriege, Flucht und Dayton- Abkommen,  das Thema Heimat glaubwürdig und ohne jeglischen Kitsch einfließen, so spannend, dass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe.

Oliver Bottini widmet dieses Buch all jenen, die fortgehen mussten. Und ich frage mich wieder einmal, wann Menschen endlich begreifen, dass wir nicht nur in den Geschichten des alten Testaments, sondern tatsächlich, wie die moderne genetische Forschung belegt, alle von den gleichen Ureltern abstammen und verwandt sind. Was also sollen Nationalismus und Verfolgung von anderen, nur weil sie anders sind?  

 

 

Eine ganz heiße Nummer

 

 

Andrea Sixt, Eine ganz heiße Nummer

304 Seiten, Lübbe 2008

Preis: 6,95 Euro

Geschäftsgründung einmal anders. Da verlieren die Verkäuferinnen eines kleinen Dorf- Supermarkts in Bayern ihren Job, weil der Laden geschlossen wird. Und weit und breit ist keine andere Arbeit in Aussicht. Sie wollen und müssen aber Geld verdienen, und außerdem wollen sie zusammen den Laden wieder aufmachen. Dafür brauchen sie Eigenkapital. Und wie kommt man da dran? Nicht ganz nach den Regeln der Kunst machen die Damen eine Bedarfsanalyse, aber eine erfolgreiche:

Sex sells. Und so kommen sie auf die glorreiche Idee, einen Telefonsex- Service aufzuziehen, heimlich natürlich. Der schwerhörige Großvater im Haus stört zunächst gar nicht, aber dann … ein köstliches Buch, nicht nur als Bettlektüre (!). Vermutlich können auch nur Frauen die Ironie verstehen ;-) 

Ja, ja, Frau Mardorf liest auch sowas!

 Ich mußte beim Lesen übrigens oft an die herrliche Comedy- Nummer von Anka Zink mit „Mascha“ denken  ("Huuch, ist das aufrräägend ...“)

 

Jakob Hein, Herr Jensen steigt aus

Jakob Hein, Herr Jensen steigt aus

Herr Jensen lebt nach dem Abbruch seines Studiums gänzlich unspektakulär als Briefträger. Nachdem seine Stelle wegrationalisiert wird, richtet er sich gleitend immer mehr in seiner kleiner Welt ein, entgleitet den Bemühungen, ihn wieder zu einem "nützlichen" Teil der Gesellschaft zu machen und  entzieht sich den Turbulenzen der Welt schließlich so weit, dass er sogar sein Namensschild von der Tür entfernt. 

Der Autor Jakob Hein, der auch Arzt ist,  hat ein gutes Gespür für die Zwischentöne, die fließenden Grenzen zwischen dem, was normal scheint und dem, was als problematisch definiert wird. Wie er von Herrn Jensen erzählt, macht dem Leser diesen Kauz fast sympathisch, und fast verständnisvoll erlebt man, wie sich da einer gänzlich unagressiv sämtlichen Zwängen entzieht.

 

 

Anna Gavalda, Ich habe sie geliebt

Anna Gavalda, Ich habe sie geliebt

Ein wunderbar zartes Buch, ideal für einen Sonntagnachmittag . Chloé wurde von ihrem Mann verlassen, ihr Schwiegervater Pierre nimmt sie und die beiden Kinder mit in das Ferienhaus der Familie. Um die Banalitäten des Alltags herum, Feuer machen, kochen, Tisch decken entspinnt sich ein langes Gespräch in der Nacht zwischen zwei Menschen, die sich immer fremd waren, als sie noch zur Familie gehörten. Nebenbei efährt Chloé, dass Pierre von Anfang an der Meinung war, sie sei viel zu schade für seinen Sohn.